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INCOTERMS: Wie sich die Vereinbarungen auf den Transport auswirken

von | Jul 25, 2017 | Blog, Transportmanagement

INCOTERMS – Bedingungen für den internationalen Warenverkehr

Werden Transportgüter im internationalen Raum versendet, ist vor allem die richtige Wahl der INCOTERMS in der Aushandlung von Vertragspunkten zu beachten. Je nach Verhandlungsstärke der einzelnen Vertragsparteien kann die Bestimmung der richtigen Klausel eine große Auswirkung auf den Kosten-, Aufwands- und vor allem Haftungsumfang mit sich führen. Bei INCOTERMS handelt es sich um internationale Vertragsklauseln, welche von der Internationalen Handelskammer erstellt und regelmäßig aktualisiert werden. Diese werden eingesetzt, um einen einheitlichen Standard für Faktoren wie Lieferort, Kostenverteilung, Zuweisung von Verantwortlichkeiten und Orte des Gefahrenübergangs festzusetzen. Kurz ausgedrückt werden Regelungen der Käufer- und Verkäuferpflichten im internationalen Verkehr festgelegt. Welche Auswirkungen die Wahl eines INCOTERMS mit sich führt, soll an dieser Stelle an drei Anwendungsbeispielen erläutert werden:

LKW nach der Verladung beim Kunden

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Fällt die Entscheidung der INCOTERM – Wahl auf CPT ist der Verkäufer verpflichtet die Ware an den Verfrachter zu übermitteln, der die Fracht an einen im Voraus vertraglich festgelegten Bestimmungsort liefert. Dafür schließt der Verkäufer einen Beförderungsvertrag mit einem Frachtführer zum Transport der Ware ab. Dieser nimmt das Transportgut im Abgangshafen entgegen und führt die physische Beförderung bis zum Löschhafen durch. Der Gefahrenübergang erfolgt durch die Übergabe der Fracht an den Spediteur.

Obwohl der Käufer ab der Warenübergabe an den Spediteur Versicherungskosten und das Verlustrisiko trägt, ist der Verkäufer bis zur Ablieferung der Fracht am festgelegten Bestimmungsort dazu verpflichtet, den reinen Transport zu organisieren und anfallenden Beförderungskosten zu zahlen. Nach Eintreffen der Ware am vertraglichen Ziel ist der Käufer für den weiteren Transport, Kosten, Versicherung und Haftung der letzten Meile verantwortlich. In der Kalkulation der Kosten ist besonders auf die Zollbewertungsgrundlage zu achten. Ist diese auf FOB – „Frei an Bord“ – festgelegt, so sind die internationalen Frachtkosten vom CPT Preis abzuziehen.

All Inclusive für den Importeur

DDP geht noch einige Schritte weiter. Analog zur Anwendung des CPT hat hier ebenfalls der Verkäufer für die Beförderung der Ware bis zu einem vertraglich festgelegten Bestimmungsort Sorge zu tragen. Zusätzlich hat dieser die Fracht für die Ausfuhr sowie Einfuhr freizumachen und auf ein festgelegtes Beförderungsmittel dem Käufer abladebereit zur Verfügung zu stellen. DDP beinhaltet ferner die Erbringung der Zollformalitäten für Export und Importabwicklungsvorgänge. Der Verkäufer hat alle Kosten und Risiken während des gesamten Transportes bis zum vereinbarten Zielortes – von Haus zu Haus – zu tragen. Der Gefahrenübergang besteht dabei in der Übergabe der Fracht an den Kunden, welcher meist auf dessen Betriebsgelände erfolgt. Auch unter der Anwendung von DDP ist in der Kalkulation der Kosten die Zollbewertungsgrundlage bei der Preisbildung ausschlaggebend. Stützen diese sich z.B. auf CIF – „Kosten, Versicherung und Fracht“ – so sind alle Kosten der Warenentladung, Verzollung und Binnentransport sowie -Versicherung, die bis zur Erreichung des Bestimmungsortes anfallen, von dem DDP – Preis abzuziehen.

Was „Bereitstellung“ bedeutet

Im Gegensatz dazu steht der INCOTERM Ex Works oder zu Deutsch „Ab Werk“. Durch Vereinbarung dieser Handelsklausel ist der Verkäufer verpflichtet, die Ware an einem vorher festgelegten Ort zu platzieren. Es besteht weder eine Verordnung zur Verladung der Fracht auf ein Transportmittel noch ist eine Ausfuhrfreimachung durch den Verkäufer vorzunehmen. Die Vertragsverpflichtung beschränkt sich lediglich auf die Bereitstellung der Ware für den Käufer. Ohne weitere Vereinbarungen muss der Käufer also sowohl die Verpackung als auch den Umschlag auf den LKW organisieren. Für ihn stellt sich nun mehr die Aufgabe die Fracht nach Verlassen des Betriebsgeländes zu transportieren und zu versichern sowie alle Kosten ab dem Werk zu tragen. Dem Käufer wird somit das komplette Risiko ab Abholung bis zur Erreichung des Bestimmungsortes zugerechnet. In der Betrachtung internationaler Handelsklauseln stellen DDP und EXW die jeweiligen Extreme der Reichweite der INCOTERMS dar. Während innerdeutsch „Ab Werk“ die komplette Transportorganisation dem Aufgabenbereich des Käufers unterliegt, hat der Verkäufer unter „Frei Haus“ alle Verpflichtung von Beförderung über Versicherung bis hin zur Kostenübernahmen zu übernehmen.

Container Terminal bei Sonnenuntergang

Andere Länder, andere Sitten

Bei Betrachtung der beiden Anwendungsfälle wird schnell ersichtlich, dass die Wahl des INCOTERMS hohe Auswirkungen darauf hat, welche der beiden Vertragsparteien Kosten, Aufwand und Haftungsrisiko zu tragen hat. Erklärt sich der Verkäufer z.B. dazu bereit den Warentransport unter DDP zu verschicken, so hat er die Kosten für den gesamten Transport, Verzollung und Versicherung in der Logistikkostenkalkulation mit einzuberechnen. Oftmals wird vor allem der Umfang der Transportkosten unterschätzt. Diese beinhalten neben den auf den ersten Blick ersichtlichen Personal-, Transportmittel- und Treibstoffkosten ebenfalls Mautgebühren, Transitkosten, Wartungs- und Instandhaltungskosten sowie anteilige Verwaltungsaufwendungen, welche die Höhe der Logistikausgaben weitreichend beeinflussen. Weiterhin hat der Absender Verzollungsformalitäten zu erbringen. Dies erfordert ein gewisses Maß an bürokratischen Know-how, um einzelnen Ländervorschriften nachkommen zu können. Kommt es zu Komplikation während der Zollabwicklung besteht die Gefahr, Lieferfristen nicht einzuhalten und Konventionalstrafen leisten zu müssen. Bei unbekannten Zollstellen im Empfängerland sollten aus diesem Grund jegliche Verzollungstätigkeiten an den Empfänger abgetreten werden. Besonders in korruptionsbehafteten Ländern besteht das Risiko, dass die Ware vor dem Eintreffen am Bestimmungsort abhanden kommt. In diesem Fall steht unter Anwendung des DDP der Verkäufer in der Haftungspflicht, da der Warenverlust vor dem Überqueren des Gefahrenübergangs eingetreten ist.

Die Vertragsklauseln haben Einfluss auf den Preis

Je nach Zurechnung der Verantwortlichkeiten zu den Vertragsparteien variiert entsprechend die Verteilung der Kosten. Der Rechnungspreis muss gemäß des vereinbarten INCOTERMS diese Kostendistribution berücksichtigen. So resultiert bspw. ein geringerer Rechnungspreis für den Kunden unter Einsatz des EXW. Unter DDP weiteren Aufwendungen, wie Transportkosten, Verzollung und Versicherung werden meist vom Produzenten im Verkaufspreis einkalkuliert, nicht jedoch unter EXW. Eine klare Abtrennung dieser Kosten sollte in der Verkaufspreisberechnung den INCOTERMS entsprechend vorgenommen werden. Vertragsparteien sollten sich im Vorhinein im Klaren sein, wer den Transport kostengünstiger durchführen kann, um Gesamtkosten und Organisationsaufwand auf ein Minimum für Käufer sowie Verkäufer zu reduzieren. Aus diesen Gründen ist bereits bei der Gestaltung der Vertragsdetails darauf zu achten, welcher INCOTERM bei der Frachtbeförderung zum Einsatz kommen wird. Beiden Vertragsparteien sollte zu Beginn bewusst sein, welchen Kompetenzen und Fachwissen einzelne Tätigkeiten im internationalen Transport erfordern und dementsprechend einen geeigneten INCOTERM vereinbaren.